natalia chávez hoffmeister / Spaziergang

start to work


Die  online-Impulse haben die Funktion, den Start in den künstlerischen Arbeitsprozess zu motivieren und zu erleichtern. Bestimmte Bereiche der Wahrnehmung vollziehen sich unbewusst. Tausende von automatisierten kleinen Handlungen und Reaktionen begleiten unseren Alltag, ohne die wir nicht in der Lage wären, diesen zu bewältigen. 

Die Impulse im online-Format des Projekts ermöglichten es, diese Prozesse ins Bewusstsein zu holen, sie genau zu identifizieren, zu differenzieren und begrifflich zu fassen. Dabei geht es darum, den Raum aufmerksam zu erkunden und die Körper und die Dinge zueinander in Beziehung zu setzen. Die Aufmerksamkeit auf eine Einzelheit wie beispielsweise ein Ding, eine Raumecke oder eine Situation zu richten und diese besonders präzise zu inszenieren, so dass sie aus verschiedenen Perspektiven wie in einem Film erfahrbar wird, ist Ergebnis uneingeschränkter Aufmerksamkeits- und genauer Wahrnehmungsarbeit.

- aufräumen, sortieren, anordnen
- spaziergang
- es war eine einzelheit

aufräumen, sortieren, anordnen

Um mit einer Arbeit zu beginnen, muss erst einmal Freiraum geschaffen werden. Da dieser nicht überall vorhanden ist, muss aufgeräumt werden. Beim Aufräumen des Arbeitsplatzes oder des Zimmerfußbodens geht es darum, Material zu sichten, zu sammeln, Dinge zu entsorgen, andere zu sortieren, zu ordnen, manche zu verpacken, zu stapeln und zuzuordnen.

Es empfiehlt es sich, Ordnungsprinzipien zu (er)finden und neue inhaltliche Zusammenhänge herzustellen. Das heißt ähnliche Dinge unter verschiedenen Gesichtspunkten anzuordnen. 

josefin schmidt

sarah spitzer

spaziergang

3 x Aufmerksamkeitsspaziergänge in der Wohnung:
schweigend durch alle Räume gehen, wie ein Schlafwandler (der wach träumt ...), sehr langsam und so als sähe man all die Dinge und räumlichen Gegebenheiten zum ersten Mal.

1. Gang - Aufmerksamkeit ist auf die räumliche Situation gerichtet

 

2. Gang - Aufmerksamkeit ist auf Objekte, Formen, Farben und Beziehungen untereinander gerichtet

3. Gang - Aufmerksamkeit ist auf Material, Stofflichkeit, Licht und Sound gerichtet
 
Nach jedem Gang werden die Impulse schriftlich und/oder bildlich festgehalten.

lia ziebell

natalia chávez hoffmeister

anna danenaite

lia ziebell

anna cramer

anni wolff

es war eine einzelheit

Die Aufmerksamkeit auf eine Einzelheit wie beispielsweise ein Ding, 
eine Raumecke oder eine Situation zu richten und diese  besonders präzise zu inszenieren, so dass sie aus verschiedenen Perspektiven wie in einem Film erfahrbar wird, ist Ergebnis uneingeschränkter Aufmerksamkeits- und genauer Wahrnehmungsarbeit.

Eine Einzelheit herausstellen: Das was dir gerade in einem der Räume in einem einzigem Moment besonders wichtig, interessant und reizvoll erschien, soll Anlass für ein Motiv als Foto, als Videosequenz, als Zeichnung, als Installation 

geben. Dieser Moment kann auch Anlass für eine bestimmte Handlung und einen Dialog bieten. Inszeniere diesen Moment, als wäre es ein Moment in einer Filmszene. Ob es sich dabei um etwas vollkommen nebensächliches oder sehr wichtiges handelt, vor allem aber sollte es etwas sein, dass dich affiziert hat. (Inszenierung durch Makro-Aufnahme, durch Wiederholung/Reproduktion - Begriffliche Annäherung - Begriff-Bild ... )

sarah spitzer

celine loesche

wahrnehmen

fokussieren

liebe - detail

form - farbe - fläche

strukturen

wiederholung

aufmerksamkeit

das besondere im gewöhnlichen finden

sensibilität im alltag

josefin schmidt

anni wolff

 „Es war eine Einzelheit ... “

„In den Büros oben schrillen die Telefone. Hier am Straßenrand ein paar Grasbüschel.

Wir sind hinuntergerannt und beabsichtigen, eine Aufnahme dieses Grasbüschels

zu machen. Die Chef-Cutterin verlangt eine solche Momentaufnahme

eines Grasbüschels.

‚Die Kamera steht zu hoch, Herr Lüring.‘ 

‚Es geht nicht tiefer.‘ 

- Wir nahmen die Kamera vom Stativ. Auch auf ebenem Boden aufgesetzt, stand

die Optik zu hoch im Verhältnis zum Grasbüschel. Man musste eine Vertiefung

graben, dort, wo die Hunde auf dem schmalen Feld zwischen Gehsteig und Straße sonst ihren Kot niederlegen. Aus dieser Vertiefung heraus war das Grasbüschel gegen das von

den herbeifahrenden Kraftfahrzeugen schattierte Licht gut auszumachen. Es

WAR EINE EINZELHEIT. Wir brauchten das Bild, um eine Spielhandlung, die

sich in ihrer Wichtigkeit aufgeplustert hatte, durch Montage zu dämpfen.

- Herr Lüring, nehmen sie die längere Brennweite. Die Bewegungen auf der

Straße hinter dem Büschel sollen verwischen. –

(...) Also Licht, Schatten und reiche Grauwerte, um die Wichtigkeit zu betonen."


Alexander Kluge, Gerhard Richter: 
Nachricht von ruhigen Momenten. 
Berlin. 2013, S.11


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